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Lokales
Historie

Jahr 2007

Heimbach im Rheinischen Städteatlas

„Die aus Holtz, Leyen und Strohe zusammen gemachten Gehäusser im Dahl Heimbach“ sind sehr ärmlich. „Die Gassen dazwischen so breit seyn, das zur Noth ein Gefehrt dem andern – jedoch nicht überall – ausweichen könne... Das Viehe, (ist).... die kostbarste Mobilien des Hausmannes.“ Mit diesen Worten beschrieb um 1800, als die Franzosen das Gebiet westlich des Rheins besetzt und in ihr Staatsgebilde eingegliedert hatten, ein Besucher die Zustände in Heimbach. Diese Sätze hören sich nicht gerade an, als ob 1800 die Menschen in dem kleinen Heimbach auf Rosen gebettet gewesen seien. Der Ort zählte damals übrigens nur rund 750 Einwohner. Heimbach war also Ort klein, jeder kannte jeden, aber die Heimbacher konnten auf eine reiche historische Vergangenheit zurückblicken. Dennoch: um 1800 war er, wie die meisten Burgflecken der Eifel, zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Abgelegen in den Bergen, nur über schlechte Wege erreichbar, lebten die Menschen hier ohne Aussicht auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Eine Berufsstatistik dieser Zeit bestätigt dieses Bild: In Heimbach lebten 1799 54 Tagelöhnerfamilien, nur 24 Familien konnten sich als „Ackerbauern“ bezeichnen, als häufigste Berufe erscheinen dann: 8 Fischer, 8 Stuhlmacher, 7 Bäcker und 6 Pflasterer oder Maurer. Und als alle Maires – also Ortsbürgermeister – im Jahre 1800 von den französischen Behörden Fragebogen erhielten, in denen sie eintragen sollten, wie es mit Straßen, Brunnen, Wäldern etc. in der Gemeinde stehe, da sah sich der damalige Maire Theodor Breuer veranlasst, den Behörden einmal klaren Wein einzuschenken. Er antwortete auf die gestellten Fragen: „Keine Gemeinheitsbusch, keine grande route, mithin kein paveyweg, keine Gemeinheits-Uhr, so wenig wie Fontänen und öffentliche Gebäude, für Unterhalt des Schulhaus, Kirche und Pastoralbaus (sind jährlich) 150 Franken nothwendig, keine Wasserleitung, wohl aber eine schöne steinen Brück über die Rur von 3 Bögen, die aber dermalen im Fundament sehr beschädigt und der Einsturz droht...Für die Wachstub, wohin die nachtwächter bei großer Kält und naßem Wetter ihr aufenthalt, (brauchen wir) 60 Franken...“ Dem guten Bürgermeister lag es also am Herzen, den Behörden vor allem eines vor Augen zu halten, nämlich: Heimbach ist ein armer Ort. Nun wissen wir, dass sich seit jenen 200 Jahren einiges getan hat hier in Heimbach. Aber das hat lange gedauert So schrieb der bekannte Virmond (Geschichte Krs. Schleiden S. 194) noch 1898 (also vor fast genau 110 Jahren): „Die Einwohner von Heimbach, abgeschlossen von der Umgegend durch hohe Gebirge, hielten sich früher sehr abgesondert, heiratheten nur unter sich, lebten vom Ackerbau, zu dessen Bestellung sie sich auf den steilen Terrassen zweckmäßig der Esel bedienten, und verfertigten besonders im Winter, der in aller Welt verbreiteten Heimbacher Stühlchen, Spinnräder, hölzerner Löffel und dergleichen als Hausrat.“ Wer bei diesen Zeilen aufmerksam hinhört, der wird unterschwellig heraushören, dass von Naturschönheit noch nicht gesprochen wird, dass aber auch Reichtum unter den Bürgern Heimbachs auch damals nicht leicht zu finden war. So schrieb auch offiziell die preußische Regierung 1843, als es um Brückenbau in Heimbach ging: „Die Gemeinde Heimbach ist zu arm und durch Beischläge (im Wald) beinahe erdrückt.“ Die Behörden waren davon überzeugt, dass die Heimbacher nichts beitragen könnten zum Bau der so wichtigen Rurbrücke. Heimbach sollte also lange, sehr lange der Ruf anhängen, dass da weder für den Staat noch für Geschäftsleute viel zu holen sei. Und dann gab es noch ein Problem im Ort mit seiner beengten Lage: Überschwemmungen waren vorprogrammiert zu Zeiten der Schneeschmelze oder schwerer Gewitter. Die Wassermassen gefährdeten Haus und Hof in den engen Gassen auf katastrophale Weise, und manchmal auch Leib und Leben von Mensch und Vieh, das ja so lebensnotwendig war. Und bei der Enge der Gassen waren auch Feuersbrünste eine große Gefahr, wenn sie einmal entfacht waren, gab es meist keine Rettung für die Häuser und Stallungen. Aber dann – trotz der vielen negativen Vorzeichen - plötzlich kam doch die unerhoffte Wende. Vor etwas mehr als 100 Jahren schrieb bereits Rehm, der die Eifel bereist hat: „Heimbach an der Ruhr (sic) hat seit den letzten Jahren in Touristenkreisen die Aufmerksamkeit in hohem Grade auf sich gelenkt.... Das Dorf ist eines der schönsten, welche in der Ruhrgegend (sic) überhaupt zu finden sind....Die Einwohner von Heimbach sind fleißig und regsam.“ Und vor fast genau 100 Jahren – und zwar im Jahre 1908 – schrieb Ritter in seinen Reisebildern aus der Eifel: „In Heimbach hat inmitten herrlicher Natur und eines großartigen Berglandes wiederum mittelalterliche Romantik einen Sitz aufgeschlagen und einen Glanzpunkt des Rurtales geschaffen. Die Häuserzeilen des Ortes sind an die Berghänge geklebt, ein schroffer Felsgrad trennt sie von der Rur.“ Sie wissen natürlich, was entscheidend zu diesem Wandel beigetragen hat: 1899 wurde die Rurtalsperren GmbH gegründet und in den Jahren 1900 – 1904 entstand zunächst die Urfttalsperre, es folgte einige Jahrzehnte später der Bau der Rurtalsperre. Der Wandel war da. Nicht nur Arbeit und Geld kamen ins Land, auch der Fremdenverkehr begann. Man entdeckte plötzlich die Naturschönheit des Rurtales und die Romantik des Ortes Heimbach. Was uns heute als romantisch, nostalgisch, schön und photographierenswert erscheint, war also durchaus nicht immer ein Aushängeschild der Stadt. Im Gegenteil! Damit wären wir also bereits mitten in dem Thema, das uns heute beschäftigt: die Entwicklung der Stadt Heimbach durch die Jahrhunderte. Die Aufgabe des Rheinischen Städteatlas besteht darin, die charakteristischen Merkmale einer Stadtentstehung und Stadtentwicklung anhand der vorhandenen Quellen aufzuzeigen, nach Parallelen zu suchen oder Unterschiede herauszufinden. Und wenn man Heimbach mit anderen Stadtrechtsorten der Eifel vergleicht, dann zeigen sich zunächst zahlreiche Parallelen. Da sind die historischen Städte Blankenheim, Kronenburg, Schleiden, Altenahr, Reifferscheid usw. In allen diesen alten Städte oder sogenannten Freiheiten oder gefreiten Talsiedlungen ist der Ursprung der städtebaulichen Entwicklung und der bescheidenen städtischen Freiheit in der Burg zu suchen. In allen diesen Städten ist die Einwohnerzahl vor 1800 klein, nie steigt sie über 1000. Die Burg war ein Zentrum für Verwaltung und Wirtschaft. Sie zog Handel und Gewerbe an, ließ eine von Handel, Handwerk und Landwirtschaft geprägte Bürgerschaft entstehen, die keineswegs die Freiheiten einer Bürgerschaft – wie etwa in Köln oder Düren – hatte, die sich aber trotzdem allein schon wegen ihrer Berufe und ihrer bescheidenen Selbstverwaltung vom platten Land abhob. Mit dem Glanz der Burg stieg der Glanz der Burgsiedlung, der sogenannten Freiheit. Verlor die Burg ihre Bedeutung, glitt auch die Burgsiedlung schnell in die Bedeutungslosigkeit. So ist es in Blankenheim und Reifferscheid, so ist es auch in Heimbach gewesen. Was zeigt sich nun an Besonderheiten in der Entwicklung Heimbachs? I. Da sind zunächst die einzigartigen historischen Anfänge der Siedlung Heimbach: Die Siedlung Heimbach wäre nie entstanden, wenn es nicht den Bergkegel über der Rur gegeben hätte, der sich ideal zum Burgbau eignete – und wenn es zweitens nicht das benachbarte Vlatten gegeben hätte. Schon zu Beginn des 11. Jahrhunderts scheint dort, wo heute die Burg steht, eine befestigte Anlage gewesen zu sein, abseits der alten römischen Höhenstraße. Aber, die Burg entstand sicher nicht aus einer Laune eines adeligen Herrn. Man kann mit Sicherheit annehmen, dass die Anfänge der Burg Heimbach in direktem Zusammenhang stehen mit Vlatten, wo sich in fränkischer Zeit ein Königshof befand, in dem sich nachweislich Ludwig der Fromme und sein Sohn Kaiser Lothar I. zeitweise aufhielten. Als die Zeiten sich änderten und als man befestigte Wohnplätze bauen musste, übernahm Heimbach die Aufgaben des Königshofes. Hier lebte man sicherer als an der großen Heerstraße. Ein Edelmann, der die Aufsicht über die Wälder hatte, der aber von seinem befestigten Wohnsitz aus auch den Rurübergang kontrollieren konnte, nannte sich nach dem neuen Wohnort: Er war der Herr von Hengebach. Dabei fällt auf, dass er sich und seine Burg nach dem bereits 1069 genannten Heingebahc, also dem Heimbach, und nicht nach der größeren Rur, benannte. Auf seine Burg dürfte er nicht wenig stolz gewesen sein, denn in einer frühen Quelle wird sie schon Anfang des 11. Jahrhunderts als inexpugnabilis, als uneinnehmbar, bezeichnet. Sie entwickelte sich zum südöstlichen Außenposten des Jülicher Territoriums. In seinem unmittelbaren Einflussbereich lag auch weiterhin die alte Kaiserpfalz: Vlatten, die bald ihre alte Bedeutung einbüßte. Und in späteren Jahrhunderten: Es war in Heimbach nicht anders als bei allen Burgen unseres Landes. Aus den im 16. und 17. Jhd. reichlicher vorhandenen Quellen – uns ist eine große Zahl an Burgrechnungen seit Ende des 15. Jahrhunderts bis etwa 1800 erhalten – hören wir Jahr für Jahr, dass Maurer, Schlosser oder andere Handwerker eingesetzt werden mussten, um etwa die drei Tore der Burg oder die Hauptmauern auszubessern. Seit dem 17. Jhd. hatte die Burg ihre Bedeutung als Verteidigungsanlage bereits weitgehend eingebüßt. Nach einem verheerenden Brand im Jahre 1687 zerfiel die Burganlage mehr und mehr. Sie war nur noch dem Namen nach Verwaltungs- und Wirtschaftsmittelpunkt eines Amtes, eine Sammelstelle der Einkünfte aller Art, die hier registriert und dann weitergeleitet wurden. Ein Burggraf und ein Kellner residierten in der Frühzeit mit zahlreichem Gesinde hier, sie wohnten aber im 18. Jahrhundert schon nicht mehr auf der teilweise zerfallenen, alten Burg, sondern in einer Hofanlage am Fuße der alten Festung aber in der Freiheit Heimbach. In der Burg selbst lebten kurz vor 1800 nur noch ein Pförtner und der sogenannte „Kellnerei-Kornmesser“. Sie hatten sich offenbar in den Bauresten der alten Festung einige Winkel gesucht, in denen man noch ein Dach über dem Kopf haben konnte. Die wechselvolle Geschichte der Burg können wir hier übergehen. Sie ist für die Stadtforschung nur insoweit von Bedeutung, wie sie die Talsiedlung gefördert, beeinflusst oder behindert hat. Aber eindeutig muss man sagen: Ohne die Burg wäre die Talsiedlung nie entstanden. II. Wie also entwickelte sich das Tal oder die Freiheit Heimbach ? - An eine Burg schloss sich - wie allgemein üblich - die Vorburg an, in der die Lehnmänner und Knechte wohnten, an die Vorburg schloss sich die Freiheit oder Talsiedlung an. So war es auch in Heimbach, ähnlich wie bei allen Burganlagen der Eifel. Die Freiheit Heimbach entwickelte sich vermutlich in mehreren Abschnitten bis hinab zur Rur, wo die Brücke als strategisch wichtiger Flussübergang gebaut wurde. Die sogenannte Talsiedlung Heimbach hat allerdings einige Besonderheiten, die man bei anderen Freiheiten in dieser Form nicht kennt. So gab es offenbar hier nie eine durchgehende Stadtmauer als Befestigung. Man kann vermuten, dass aneinander gebaute Häuser diese Mauer streckenweise ersetzten. Der versierte und verdienstvolle ortskundige Forscher Herr Georg Bachem vermutet sogar, dass an manchen Stellen hohe Dornenhecken, die undurchdringlich wie Mauern sein konnten, die Mauern ersetzten. Vorhanden aber waren immerhin Tore, ein Rur-, Ober- und Untertor, die natürlich nur dann einen Sinn hatten, wenn der Siedlungsbereich sich ganz gegen die Außenwelt abschirmte. Ein Tor gab es auf jeden Fall auch zwischen Burg und Siedlung, dazu noch eine hohe Brücke, von der heute nichts mehr zu sehen ist, deren Reste aber bei Bauarbeiten vor 100 Jahren noch einmal zu Tage traten. Einige Probleme warf bei der Entstehung der Talsiedlung auch der Heimbach selbst auf, der der Länge nach die kleine Stadt durchfloß und dadurch den baulichen Abschluss im Ober-und Unterlauf erschweren musste. Dennoch: Schon 1242 taucht für die Siedlung die Bezeichnung „castrum“ auf, eine Benennung, die immerhin auf eine befestigte Siedlung hindeutet. Wie bei Freiheiten oder Talsiedlungen dieser Art üblich, hatten die Bewohner der Talsiedlung Vorrechte, die sie gegenüber dem flachen Land als „Gefreite“ auswiesen. Diese Rechte waren zwar bescheiden, aber sie waren für die Heimbacher wichtig. Markgraf Wilhelm von Jülich privilegierte 1343 die Talsiedlung. Danach durften die Einwohner kostenlos Brand- und Bauholz aus dem Kermeter nehmen. Allerdings waren sie auch verpflichtet, das Brandholz für die Burgherren im Wald zu schlagen und bis zum Burgberg zu transportieren. Den Weitertransport hatten dann die Bewohner umliegender Orte zu besorgen. Schließlich durften die Heimbacher ihre Schweine im Kermeter zur Mast treiben, sie durften Fischfang in der Rur treiben und hatten Steuerfreiheit auf Bier und Wein. Bei geringen Vergehen (Wald, Wasser) durfte ein Heimbacher nicht gefesselt in den Turm geworfen werden, was jedem Bauern passieren konnte. Wichtiger als das alles aber war den Bewohnern der Freiheit vielleicht, was sie nicht leisten mussten. Die Bürger waren, wie es heißt, frei von fuhren oder diensten zum Haus. Sie brauchten also keine lästigen und zeitraubenden Boten- und Fahrdienste für die Burgherrschaft zu leisten. Jedoch mussten sie bei der Heuernte dem Burgherrn helfen, das Heu einzubringen. Zusammenfassend kann man also sehen: Die Freiheiten waren sehr, sehr bescheiden. Eine Selbstverwaltung ist bereits im 15. Jahrhundert zu erkennen, als Bürgermeister, Vorsteher und Schöffen erwähnt sind. Dem Schöffengericht saß allerdings der landesherrliche Schultheiß vor. Eine echte bürgerliche Freiheit, die unabhängig von der Burg war, gab es in der kleinen Stadt nie. Aber immerhin, bis 1794 durfte sich Heimbach „Stadt“ nennen. Die französische Gemeindeverfassung erst machte aus der historischen Siedlung wieder ein „Dorf“. Dieser Begriff galt offiziell auch noch im 3. Reich, als man mit dem kleinen Heimbach etwas ganz Besonderes vor hatte. Auf Geheiß höherer Stellen sollte der Aachener Professor Bruno Schachner den Ort völlig umgestalten. Man wollte aus Heimbach eine nationalsozialistische Stadt besonderer Prägung machen, ein Musterbeispiel nationalsozialistischen Städtebaus. Das von Schachner mit detaillierten Plänen ausgearbeitete Projekt hätte der Stadt ein völlig neues Gesicht gegeben. Heimbach sollte, nach der Ansicht der damaligen Machthaber, die Beispielstadt für eine deutsche Kleinstadt werden, wobei das nahe Vogelsang natürlich entscheidend diese großspurigen Pläne mit beeinflusst hat. Plätze für Aufmärsche und Paraden, großartige Brückenbauwerke oder Viadukte hätten das Stadtbild völlig gesprengt. Die Pläne sind erhalten, verwirklicht wurden sie nie. Es kam bekanntlich ganz anders: Statt Beispielstadt – total zerstörte Stadt. Das war das Ergebnis des unglückseligen 3. Reiches. Prof. Schachner erhielt so wenige Jahre nach dem Zusammenbruch eine ganz andere Aufgabe: Nach der katastrophalen Zerstörung der Stadt im 2. Weltkrieg gab man ihm als Kenner der Gegebenheiten den Auftrag, einen Gesamt-Aufbauplan für die daniederliegende Siedlung zu entwickeln. Heute ist – das ist allgemein bekannt – Heimbach die kleinste Stadt in Nordrhein-Westfalen, eine Stadt ohne höhere Schule, aber eine Stadt mit besonderem Flair. Fast hätten die Nidegger bekanntlich vor rund 30 Jahren die Stadt vereinnahmt, aber die Heimbacher zeigten auch dabei wieder einmal – wie schon öfter in der Geschichte – dass sie sich zu wehren wissen – und so ist die Stadt Heimbach Gottseidank erhalten geblieben, erhalten als ein Kleinod in der Nordeifel. III. Wir sollten die Burg und die Talsiedlung Heimbach verlassen und den Blick noch kurz auf die besonderen wirtschaftlichen Strukturen Heimbachs richten. Auf die bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse der meisten Einwohner von Heimbach wurde schon zu Beginn hingewiesen. Die historischen Quellen des Spätmittelalters und der Neuzeit bestätigen dieses Bild. So heißt es in einem Weistum von 1461. „Die naberen (gemeint sind die Nachbarn oder Einwohner) geyn ander narung haven dan wasser und wald.“ Die geringe Landwirtschaft und die wenigen Weinberge konnten keine hinreichende Nahrungsgrundlage bieten. Holzhauen und Kohlebrennen im Kermeterwald, Lohegewinnung in den Eichenschälwäldern, Fischfang in der Rur, Flößerarbeit auf der Rur, das waren fast die einzigen Erwerbsquellen neben der Landwirtschaft, der durch die Naturgegebenheiten enge Grenzen gesetzt sind. Zufrieden konnte allenfalls der Burgrechner sein, wenn er am Jahresende die Bilanz in seinen Burgrechnungen zog. Er hatte neben den herrschaftlichen Rechten an Grund und Boden vor allem auch die Rechte und Einnahmen aus dem Wildbannbezirk und nicht zuletzt die Einnahmen aus Bergbau und Eisenverarbeitung in Gemünd und aus dem Bleibergbau bei Kall und Mechernich zu vereinnahmen. Das anfallende Blei oder Eisen, damals eine unschätzbare Einnahmequelle, kam wohl in den seltensten Fällen direkt nach Heimbach, sondern wurde entweder an Ort und Stelle verkauft oder kam direkt an den Jülicher Hof oder an die Baustellen des Herzogs, wo die Materialien benötigt wurden. Die Einnahmen aus diesen Bergrechten waren offenbar so beachtlich, dass man einzelnen Gruben - wie dem Werk bei Hasenfeld - den Namen „Goldkuhle“ gab. Zwar heißt es in einem Bericht des Bergvogts Daniels 1748, dass man jetzt in der Nähe des alten Kupferbergwerks bei Vlatten Gold gefunden habe. Ob diese Nachricht ein Gerücht war und ob sie vielleicht nur dazu dienen sollte, die Jülicher Behörden zu animieren, den Bergbau in Vlatten nicht zu vergessen, ihn vielmehr zu verstärken, wird sicher ewig ein Rätsel bleiben. Von Gold in oder um Vlatten würden natürlich auch heute der Bürgermeister von Heimbach und der Vlattener Ortsvorsteher gerne profitieren. Manches Finanzproblem ließe sich leichter lösen. Aber es sieht schlecht aus. Weil die Flächen für Ackerbau so gering und die Erträge manchmal so bescheiden waren, musste man, um die zahlreichen Mäuler zu stopfen, nach anderen Einkommen suchen. Das Schnitzen von Hausgerätschaften, vor allem das Verfertigen von Holzlöffel, Spinnrädern und vor allem Stühlchen konnte da die Kasse ein wenig aufbessern. So begegnen uns denn auch Heimbacher Löffel oder Stühle schon in den Burgrechnungen von Schleiden im 16. Jhd. . In Heimbach gab es also bereits früh ein exportierendes Gewerbe und dann auch Händler, die ihre Produkte ins Land hinaus trugen. Und zu den Produkten, die man in die Lande trug, gehörten auch die in der Rur gefangenen Fische. Aber da gab es ein Problem: Wie sollte man die frisch gefangenen Fische haltbar machen? Die Heimbacher entwickelten ein Verfahren, das heute längst vergessen ist. So heißt es noch vor 120 Jahren: „Die getrockneten Fische werden in Birkenrinde verpackt und vor allem in den Gasthöfen von Aachen und Köln zum Verkauf angeboten.“ (Virmond) Nach anderen Quellen soll man die Fische „in Weidenrinde eingebunden“ haben. Dadurch sollen sie einen ganz besonderen Geschmack erhalten haben. Wie aber war es um die Landwirtschaft bestellt? Ganz allgemein kann man sagen: Nicht gut. Im Jahre 1885 – um Ihnen eine Zahl zu nennen – wurden nur 8 % der Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt. Und noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren 94 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der Hand von Kleinbauern, die allesamt nur je zwischen o,1 – 2 ha Land besaßen. – Aber eine Tatsache ist etwas interessant: Heimbach hatte an den schroffen Hängen neben dem Ort Weinberge. Der größte Teil des Landes war Wald oder Ödland. Wer aber etwas Land besaß, der musste manchmal wohl auch noch um die Erträge bangen. So waren Feldschützen bestellt, um Feldraub abzuwenden. Sie hüteten, wie es im 16. Jhd. heißt „die Weinberge, die in den Hecken liegen, vor Leuten und Vögeln“. Die Trauben, die am Berghang über dem Ort wuchsen, müssen also wohl genießbar gewesen sein, sonst hätte man sie nicht vor hungrigen Mäulern bewachen müssen. Vielleicht wurde aber auch der bekannte Dreimännerwein daraus gepresst, so wie wir ihn in der Südeifel kennen. Dreimännerwein, weil man drei Mann brauchte, um einen Schoppen zu leeren. Einer der trank und zwei, die ihn festhalten mussten, wenn er sich während und nach dem Trank schüttelte. Aus dieser Quelle nun zu schließen, dass die Heimbacher es mit den Eigentumsrechten nicht so genau nahmen, wäre verfehlt. Schon im Jahre 1839 schrieb der Historiker Quix in seiner Geschichte der Grafen von Hengeberg (S. 118): „Sie (gemeint sind die Heimbacher) sind durch die einschließenden Berge von den Benachbarten so abgeschnitten, dass sie gleichfalls ein eigenes Völkchen bilden, das noch seine alten Sitten, Treue, Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit beibehalten hat. Obgleich sie den Diebstahl für eines der größten Verbrechen halten, so erlauben sie sich doch wohl bisweilen im Kermeter Wald Forstfrevel zu begehen, indem sie glauben, ehemals an demselben berechtigt gewesen zu sein.“ Auf einige Besonderheiten in der Wirtschaftsstruktur Heimbachs sei nur kurz hingewiesen. So muss es mir als Bitburger erlaubt werden, darauf aufmerksam zu machen, dass in Heimbach – und sogar im nahen Kloster Mariawald – bereits früh Bier gebraut wurde. Aber wie in früheren Zeiten üblich, handelte es sich dabei nur um ein Gewerbe, das für die örtliche Versorgung produzierte. Schließlich zählte man in dem kleinen Heimbach 1822 7 Schankwirte, 1837 war die Zahl sogar auf 12 gestiegen. Daraus zu schließen, dass die Zahl der Säufer in H. besonders groß gewesen sei, wäre falsch, die besondere Stellung als Wallfahrtsort spielt hier zweifellos eine Rolle, denn bekanntlich machte das Wallfahren über die damals noch sehr staubigen Eifeler Wege trockene Kehlen.. Zu dem eingesessenen Braugewerbe aber passt es, dass Hopfengärten im 18. und 19. Jhd. in und um Heimbach anzutreffen waren, und noch in den 1930er Jahren errang die Braugerste von Vlatten und Hergarten den „Reichssiegerpreis für Braugerste“. IV Ich würde nur ein unvollkommenes Bild von Heimbach und seiner Geschichte geben, wenn ich nicht auch der für die Menschen so wichtigen religiösen Seite gedenken würde. Für die Stadtentwicklung war zweifellos die Entstehung einer Pfarrei von Bedeutung. Der Zeitpunkt der Entstehung der Pfarrei ist unbekannt und wird wohl auf absehbare Zeit nicht geklärt werden können. Neue Quellen dazu konnte auch ich nicht finden. Die ersten in Heimbach genannten Geistlichen hatten ihren Sitz wahrscheinlich auf der Burg. Ein Pastor und die Pfarrkirche S. Clemens werden aber im 15. Jahrhundert bereits genannt. Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Ortes wurde schließlich das Kloster Mariawald, auch wenn es außerhalb des gefreiten Bezirkes lag. Es zog seit etwa 1500 immer mehr Pilger an, die natürlich auch in Heimbach einkehrten und die das Wirtschaftsleben in der Stadt belebten. Ende des 18. Jhds. kennen wir 306 Ortschaften, die eine jährliche, regelmäßige Wallfahrt nach Mariawald gelobt hatten. Jährliche Pilgerströme von rund 25.000 Personen – wie sie überliefert sind - trugen zweifellos dazu bei, die Enge der kleinen Talsiedlung in vielerlei Hinsicht zu sprengen. Aber auch in kirchenrechtlicher Hinsicht hatte das Kloster auf der Höhe schon sehr bald entscheidenden Einfluss in der Talsiedlung. Die Pfarrkirche in Heimbach wurde dem Kloster inkorporiert, und seit dem 16. Jhd. bestellte der Prior den Weltpriester in Heimbach. Nach der Übertragung des Heiligtums 1804 in die Pfarrkirche Heimbach übernahm der Ort die Funktion eines wichtigen Wallfahrtsortes. Und diese Bedeutung ist bis heute geblieben. In der neuen Wallfahrtskirche S. Salvator hat der kostbare Antwerpener Schnitzaltar, der aus dem ehemaligen Kloster Mariawald stammt, einen würdigen Platz gefunden. Im Vergleich mit der katholischen Gemeinde spielte die evangelische Gemeinde eine untergeordnete Rolle. Zwar gab es nach der Reformation zeitweise Bestrebungen, die Reformation einzuführen, aber es blieb bei Versuchen. Erst nach dem 2. Weltkrieg übersprang die Zahl der evangelischen Bürger die 100er-Grenze. Heimbach mit seiner reichen historischen Vergangenheit darf – auch wenn es eine kleine Stadt ist – voller Stolz zurückblicken. In der Geschichte der Stadt spiegelt sich die Geschichte der Eifel. Schließlich waren im 19. Jahrhundert Eifel und Armut gleichbedeutend. Auch in unserer Zeit hat sich zwar noch kein überschwänglicher Reichtum in der Eifel angehäuft, aber dafür haben die Menschen der umliegenden Städte längst erkannt, welch unvergleichlichen Naturreichtum die Eifel und vor allem die Gegend um Heimbach zu bieten haben. So kann man der kleinsten Stadt Nordrhein-Westfalens nur wünschen, dass sie auch weiterhin blühen und gedeihen möge. Mir gestatte man noch einige persönliche Sätze: Seit mehr als 30 Jahren, seit Beginn des Projektes „Rheinischer Städteatlas“, bin ich Mitarbeiter am Städteatlas. Die Mappe Heimbach ist meine 12. Mappe in dieser inzwischen wissenschaftlich überregional anerkannten Reihe. Mit dieser Mappe beende ich meine Mitarbeit und wünsche der Reihe weiterhin alles Gute. Ich bedaure sehr, dass ich gerade bei meiner letzten Mappe nicht die Möglichkeit hatte, Korrektur zu lesen, obwohl ich den Manuskripttext vor fast genau 2 Jahren am Amt für rheinische Landeskunde eingereicht habe. Wenn sich so einige kleine Fehler, stilistischer aber leider auch sachlicher Art im Text finden, die ich nicht verbessern konnte, dann tut das mir sehr leid. Sie wären alle sicher vermeidbar gewesen, ich habe es nicht zu verantworten. (Ins Auge fallend sind zwei falsche Zahlen, die weh tun: einmal bei der Viehhaltung V,2 – wo es beim Rindvieh 1845 einen Fehler gibt – und bei der Agrarwirtschaft S. 13, wo die Verwechslung von zwei Zahlen ganz offensichtlich ist). Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, die Sie mir geschenkt haben.


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Heimbach in Zahlen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Köln
Kreis: Düren
Koordinaten: 50° 38' N, 6° 29' O
Höhe: 227 m ü. NN
Fläche: 64,8 km²
Einwohner: 4359
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km²
Postleitzahl: 52396
Vorwahlen: 02446, 02425
Kfz-Kennzeichen: DN
Stadtgliederung: 7 Stadtteile

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